Neue Kurse starten ab 1. Oktober 2013

Montag:
Gruppe I : von 13:15 Uhr  bis 14:15 Uhr
Learning English with Chris the Grasshopper
Kinder im Alter von 4 - 6 Jahren ohne Vorkenntnisse

 


Allgemeine Infos:
Kursdauer sind 12 Monate, gesetzliche Feiertage und Schulferien sind unterrichtsfrei.



Die Talente liegen brach

Eichstätt (ye) Früherer Beginn des Englischunterrichts bei Kindern, bessere Ausbildung von

Erzieherinnen und Grundschullehrern und eine Überarbeitung des Unterrichtsmaterials – das

wünscht sich Heiner Böttger, Professor für Didaktik der Englischen Sprache an der KU Eichstätt-

Ingolstadt.

Die erste Fremdsprache sollte laut Böttger schon im Kindergarten gelehrt und dann übergangslos in der

ersten Grundschulklasse fortgesetzt werden, um der natürlichen Entwicklung der Kinder gerecht zu werden.

Hirnforschungen haben ergeben, dass Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren am aufnahmefähigsten

seien, und die Bildung von Grammatik und Wortschatz bis zum sechsten Lebensjahr abgeschlossen sei.

Zweisprachiger Unterricht ist für Böttger der Schlüssel zur Mehrsprachigkeit.

Für den Professor der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt bedeutet der Umstand, dass in Bayern im

Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern erst in der 3. Grundschulklasse mit dem Englischunterricht

begonnen wird, verschwendete Ressourcen bei Kindern. Böttger: "Ich hätte gerne, dass meine Enkel einmal

die Sprache lernen, so wie sie es können."

Böttger befragte zwischen 2009 und 2011 über 250 Grundschullehrer in Hamburg, Schleswig-Holstein,

Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Ziel der Studie war

es, eine Art Inventur der englischsprachigen Unterrichtsansätze an Grundschulen zu erstellen. Das Ergebnis:

Häufig sei der Englischunterricht nicht altersgerecht und authentisch, weil das zum Teil aus England

stammende Unterrichtsmaterial für jüngere Altersgruppen konzipiert worden sei: "Da schwirren Bienchen

und hoppeln Häschen herum. Das ist nichts für Dritt- und Viertklässler. Die wollen sich mit Themen aus

ihrem Lebensbereich beschäftigen. Zum Beispiel aus der Physik oder Biologie. Wie viele Beine hat eine Spinne

und warum haben wir Angst vor ihr", nennt Böttger ein Beispiel.

Dabei übt der Hochschulprofessor keine Kritik an der Arbeit von Erzieherinnen und Grundschulehrern. "Die

sind meist sehr engagiert. Sie wissen nur nicht, welches Potenzial sie vor sich haben." Vielmehr müsse bei

ihrer Qualifikation mehr Geld in die Hand genommen werden. "Nur ein Drittel der Grundschullehrer, die

Englisch unterrichten, sind universitär ausgebildet", kritisiert Böttger und fordert eine Neuorientierung der

Bildungspolitik. Zudem gelte es, im schulischen Sprachunterricht noch stärker nach den individuellen

Möglichkeiten der Kinder zu differenzieren: "Es ist weder professionell, kompetent noch effizient,

Lernressourcen unserer Grundschüler zu verschwenden, indem zur gleichen Zeit alle Mitglieder einer

Lerngruppe das Gleiche hören, sprechen, lesen oder schreiben sollen. Sowohl Über- als auch Unterforderung

gefährden gleichermaßen den angestrebten englischsprachigen Lernerfolg." Das entspreche auch dem

Wunsch der für die Studie befragten Grundschullehrer, die sich für eine professionelle Basis für

Differenzierung und Individualisierung des Englischunterrichts durch spezielle Fortbildungen ausgesprochen

haben.

Für die Zukunft wünscht sich Böttger, dass ein generelles, länderübergreifendes Sprachenkonzept – auch mit

Blick auf Kinder mit Migrationshintergrund – erarbeitet wird. Dabei sollten auch Eltern eingebunden werden.

"Momentan gibt es 16 Bundesländer und 16 Konzepte," beschreibt Böttger die unbefriedigende Situation.

Von Verena Doye

Donau-Kurier vom 16.03.2011